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Weltweit wenig Akzeptanz für elektronische Patientenakte (update 6.2.2012)

 

Im Unterschied zu in Krankenhäusern etablierten PDMS ( = Patientendaten-Management-Systemen) zur Bereitstellung medizinisch relevanter Informationen INNERHALB des Spitals, finden übergeordnete elektronische Gesundheitsakten wenig Akzeptanz.

 

a) Google Health (nur Einbindung englischsprachiger Gesundheitssysteme) wurde Jänner 2012 eingestellt.

 

b) Das britische NHS National Programme for IT wurde am 29. September 2011 eingestellt.

 

c) In den USA wurden 2010 die Anforderungen an den Umfang des electronic health record erheblich reduziert, da weniger als die Hälfte der "office based physicians" eine EHR/EMR (electronic health record/electronic medical record) verwenden. Die Drohung von Medicare, bei Nichtanwendung von EHR zukünftige finanzielle Abzüge (1-3%) anzurechnen, scheint die Akzeptanz nicht erhöht zu haben.

 

d) Die deutsche Elektronische Gesundheitskarte, die ausser versicherungsrelevanten Daten auch medizinische Informationen speichert (Notfallversorgungsdaten,den elektronischen Arztbrief,persönliche Arzneimittelrisiken,die sogenannte elektronische Patientenakte, weitere von Versicherten selbst oder für sie zur Verfügung gestellte Daten (Patientenfach), sowie Daten über in Anspruch genommene Leistungen und deren vorläufige Kosten für die Versicherten), ist ein teurer Megaflop.

 

e) het Electronisch Patiëntendossier wurde vom niederländischen Senat gestoppt

 

In Österreich ist die Begeisterung von Sozialversicherungen, Ministerien etc. immer noch ungetrübt, und immer noch finden Phrasen wie "prozessorientierter Einsatz innovativer digitaler Informationstechnologien" ihren Weg zu ELGA Verteidigern, obwohl für ernsthaft erkrankte Patienten der problemorientierte Einsatz wichtig wäre. Die Zergliederung komplexer Tätigkeiten in kontrollierbare Einzelprozesse hat ihre Grenzen.

 

Der Versuch funktionierende Krankenhausmanagementsysteme in jede Ordination zu zwingen ist nicht nur mit erheblichen Kosten verbunden, sondern auch meist unnötig, da die Mehrzahl der Patienten bei Einlieferung in stationäre Behandlung, dort schon bekannt ist.

 

Mittlerweile wehren sich bereits Spezialisten der eHealth (Reinhold Mainz, Karl A. Stroetmann) gegen derartige "Telemedizinexperimente" und fürchten, nicht zu Unrecht, dass die Informations - und Kommunikationstechnologie in Misskredit gerät. Sogar das mächtige IEEE mit Hauptsitz in New York zweifelt Sicherheit des EHR an (IEEE Spectrum)

 

Dr. Günter Koderhold