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Stopp dem Stellenabbau!

Die Wiener Gebietskrankenkasse sagt es ja nicht laut, aber es ist für sie seit Jahren ein Credo: Die "angebotsinduzierte Nachfrage". Dieser Terminus bedeutet: Wo sich die Ordination eines Vertragsarztes befindet, finden sich automatisch Patienten ein. Gibt es kein entsprechendes (wohnortnahes) Angebot, überlegt man sich schon weitere Wege zum Arzt, - meistens zu einem Facharzt, in Kauf zu nehmen. Manche Beschwerden verschwinden auch tatsächlich von selbst; überlastete Großordinationen sind auch in der Regel kein gutes Auffangbecken für akute Beschwerden und haben, auch bei guter Organisation, oft lange Wartezeiten auf Termine.

Schon vor einigen Jahren wurde nach langwierigen Verhandlungen ein Deal zwischen Wiener Ärztekammer und Wiener Gebietskrankenkasse ausgehandelt: Für die Zustimmung zur Einführung (und Invertragnahme) von Gruppenpraxen sollte die Anzahl der Planstellen vermindert werden, damit die WGKK nicht dem ständigen Druck seitens des Hauptverbandes ausgesetzt wäre, unverhältnismäßig mehr Vertragsärzte pro Versichertem zu haben, als andere Gebietskrankenkassen, Großstadtfaktor hin oder her. Der Ärztekammer kam dabei zugute, dass es damals noch viele Klein - und Kleinstpraxen gab, meist mit alten Ordinationsinhabern, die etwa 30 -100 Scheine pro Quartal abrechneten (eine "Altlast" aus der Zeit, als man ausreichend beschäftigte Ärzte darum bat, doch auch noch den GKK-Vertrag zu nehmen). Diese Stellen wurden jetzt bei Pensionierung nicht nachbesetzt und gingen in eine sogenannte "Strukturreserve", wurden also z.B. anderswo zur Erweiterung einer Einzelpraxis auf eine Gruppenpraxis verwendet - die Kopfzahl der im Vertragsverhältnis befindlichen Ärzte sollte nicht weniger werden, das hatte sich die Kammer ausbedungen.

Mittlerweile hat sich die Landwirtschaft im niedergelassenen Bereich verändert: Die Klein - und Kleinstpraxen sind großteils weg, die Begehrlichkeit der WGKK steigt, noch weitere Praxen zu schließen, die ihrer Meinung nach "nicht versorgungswirksam" sind. Im gemeinsamen Niederlassungsausschuss wird also etwa diskutiert, ob eine Internistenpraxis mit 300 Scheinen im Quartal nachbesetzt werden soll, oder ob die Fachkollegen in der Region nicht noch freie Kapazitäten hätten. Im Laufe einiger Jahre kann es bei Nicht - Nachbesetzung mehrerer Ordinationen, auf relativ engem Raum, zur Gefahr einer lokalen Unterversorgung ganzer Bezirksteile kommen. Die Erfahrung zeigt, dass auch bei Fachärzten der größte Teil der Patienten aus der näheren Umgebung kommt! Auf diese Art wurde etwa in den letzten Jahren, im flächenmäßig großen 14. Bezirk, die Zahl der Internisten mit GKK-Vertrag von sieben auf vier reduziert, wobei drei Stellen in der dicht besiedelten geographischen Mitte wegfielen. Obwohl das Entstehen leistungsfähiger größerer Strukturen im niedergelassenen Bereich wünschenswert ist, sollen Einzelpraxen keine Auslaufmodelle darstellen, und die wohnortnahe Versorgung unserer Patienten nicht in Frage gestellt werden!

G. Eggerth