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Neue Erschwernisse in der Arztpraxis

 

Im März 2011 gab die Wiener Gebietskrankenkasse die Einrichtung einer neuen Abteilung zur Nachforschung von Missbrauch bekannt. Kurz darauf nahm das AMS mit der WGKK Kontakt auf, um eine neue enge Kooperation im Hinblick auf AMS-Klienten vorzuschlagen. Mitarbeiter des AMS wurden davon in Kenntnis gesetzt, dass die AMS-Klienten, die einer AMS-Maßnahme zugebucht wurden und vor Antritt oder während der Maßnahme erkranken, über die Mailadresse gegen-missbrauch@wgkk.at der Wiener Gebietskrankenkasse dies melden müssen. In der Folge haben niedergelassene Vertragsärzte in Wien, seit Mai des Jahres, für ihre Patienten Briefe von der WGKK erhalten. Darin ist von "Wunschkrankenständen" die Rede, es wird uns also angedeutet, dass man diese Krankenstände für nicht medizinisch begründet hält. Bei der nächsten Krankmeldung soll der Arzt die Krankmeldung gleich an die WGKK per Fax oder elektronische Krankmeldung übermitteln und den Patienten sofort für denselben oder den darauffolgenden Tag zum Chefarzt bestellen. Andernfalls würde der Krankenstand vom chefärztlichen Dienst nicht anerkannt.

 

Bei genauer Nachforschung bei meinen vier Patienten, die ebenfalls einen solchen Brief erhielten, habe ich mich nochmals davon vergewissert, dass jeder einzelne Krankenstand wohlbegründet war. Doch gingen dem regelmäßig Meinungsverschiedenheiten zwischen Sachbearbeitern des AMS und meinen Patienten voraus. Ich erkläre mir diese Vorgangsweise des AMS daher als Ausweitung ihrer Sanktionspolitik gegen die AMS-Klienten, als Denunziation, als eine weitere Schikane, auch als erschreckende Instrumentalisierung des chefärztlichen Dienstes der WGKK, und der niedergelassenen Ärzte. Dabei werden wir auch in den Augen unserer Patienten herabgesetzt. Das kann ich mir wirklich nicht gefallen lassen, da es auch mein therapeutisches Potential betrifft. Ich habe also darum gebeten, mir solche Briefe nicht mehr zuzusenden.

 

Es stellt sich auch die Frage, welche Gültigkeit ein ärztliches Gutachten für die Sozialversicherung hat. Insgesamt wird uns an diesem Beispiel demonstriert, wie klein der Schritt von umsichtiger Verwaltung zum totalitären Staat sein kann.

 

Die Einführung der E-Card für Sozialhilfeempfänger ab September 2010 wurde groß gefeiert, aber jetzt gibt es jede Menge Probleme mit dem Versicherungsschutz. Chronisch Kranke müssen Antragstermine und Gutachtertermine einhalten. Das ist offenbar so schwierig, dass sogar Sachwalter, die Rechtsanwälte sind, ihre liebe Not damit haben. Wer das nicht schafft, verliert die Grundsicherung und den Krankenversicherungsschutz auch dazu. Evident wird das beim Arzt, wenn beim E-Card-Stecken der Hauptverbandscomputer "keine Anspruchsberechtigung" meldet.

 

 

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